Wenn die Seele der Pflegenden leidet

Demenz und Corona: Pflegende von Demenzkranken besonders gefordert
Von Claudia Hagn Landkreis
 
Wer einen Menschen mit Demenz zu Hause pflegt, ist gefordert – psychisch sowie physisch. Je länger jedoch die Corona-Pandemie andauert, desto anspruchsvoller wird die Situation für die Pflegenden. Demenzkranken zum Beispiel zu erklären, wieso eine Maske notwendig ist, wieso der Alltag anders aussieht, wieso gewohnte Dinge wie Betreuungsangebote nicht mehr möglich sind; all das zerrt an den Nerven der Pflegenden und der Demenzbetroffenen. Was sie jetzt brauchen, sind Hilfsangebote. Genau die hat Maria Seising (35) gebündelt. Sie studiert Soziale Arbeit an der Hochschule Landshut und hat in den vergangenen Monaten die Landkreis-Seniorenbeauftragte des Landkreises, Janine Bertram, unterstützt. Seising: „Ich habe schnell erkannt, wo die Probleme während Corona liegen, vor allem, wenn man jemanden mit Demenz pflegt.“ Viel Hilfe sei notwendig – die Angebote seien zwar da, aber bei vielen noch wenig bekannt. Konkrete Tipps zur Entlastung Ein Flyer, sowohl digital als auch in Papierform, soll dabei nun helfen. Er listet konkrete Tipps zur Entlastung, beispielsweise im Umgang mit den Corona-Bestimmungen, auf. Einer der Schwerpunkte sind Informationen über Austauschmöglichkeiten mit anderen betroffenen Angehörigen oder wichtige Kontakte zu Fachstellen mit aktuellen Beratungsangeboten im Raum Landshut zum Thema Demenz. Wie groß der Bedarf ist, bemerken zum Beispiel die Betreuungsstellen zur Demenz, wo Fragen pflegender Angehöriger per Telefon und Mail auflaufen. Seit Juli gibt es die Koordinierungsstelle Demenz im Landkreis Landshut; auch sie soll bekannter werden, da sie Betroffenen Hilfe bietet, unkompliziert und niederschwellig. Die momentanen Herausforderungen für Pflegende von Demenzkranken sind unterschiedlich. „Zum Beispiel fallen Unterstützungsmaßnahmen weg, Tagespflegegruppen, aber auch Angebote für Angehörige wie Austauschgruppen und der persönliche Austausch“, sagt Seising. Die Angehörigen seien mit ihren Pflegebedürftigen auf engem Raum viel länger zu Hause als sonst. Bestehende Rituale und Kontakte fielen für beide Seiten weg. „Zudem ist es für Demenzkranke schwer, Änderungen zu verstehen, wie die Maskenpflicht“, sagt Seising. „Da braucht man als Pflegender viel Geduld und man muss sich oft wiederholen.“ Für die, die ohnehin mit der Pflege belastet seien, eine schwierige Sache; dieser mit Humor und Gelassenheit zu begegnen, lasse viele an ihre Grenzen geraten. Jedoch hat Seising herausgefunden, dass es nach wie vor Beratungsangebote per Telefon gibt – also ganz coronakonform. Zum Beispiel gebe es einen Coach aus Kelheim, der speziell in der Coronazeit Online-Coaching für Pflegende anbietet – per Telefon oder auch per Videokonferenz. Eine große Herausforderung sieht Seising darin, an die pflegenden Personen herantreten zu können, die oft selbst einer Risikogruppe angehören und älter sind. An der Belastungsgrenze angekommen Was Seising betont: Pflegende sollen sich Hilfe holen, auf ihren Körper und ihre Psyche hören. „Für manche ist es gar nicht so leicht zu erkennen, wann sie an ihrer Belastungsgrenze angekommen sind.“ Auch schämten sich manche, Hilfe anzunehmen – sie wollen sich so lang wie möglich um ihre Angehörigen kümmern, aus dem Verantwortungsgefühl heraus. „Für viele ist es eine Blöße, zuzugeben, dass auch sie Hilfe brauchen und eventuell ihren Angehörigen zur Pflege abzugeben.“ Der Anspruch, seinen Angehörigen möglichst gut versorgt zu wissen, sei bei vielen groß, sich an Fachstellen zu wenden aber eine Hürde. Seising: „Es muss aber nicht sofort ein Riesenschritt sein, man muss nicht sofort die Pflege ganz abgeben.“ Es gehe eher um kleine Dinge, sei es ein Beratungsgespräch, sich einfach mal gehört zu fühlen und zu erzählen, wie es einem gerade gehe. „Das kann schon viel helfen, damit das Gefühl der Hilflosigkeit ein bisschen kleiner wird.“ Der Flyer ist ab Ende Januar in den Rathäusern der Landkreis-Gemeinden, aber auch digital auf der Homepage des Landratsamtes verfügbar. Der Flyer wurde in Zusammenarbeit mit der Koordinierungsstelle Demenz des Landkreises Landshut erstellt.